|
PEOPLE |
 |
PORTRAIT |
«Alles
unter Kontrolle»
von Susanne
Wild, 18. Juni 1999
|

Hat die
Luftstrassen unter Kontrolle: Flugverkehrsleiterin Sabine Zimmermann
Sabine Zimmermann hat das Sagen: Als Controllerin bei der Swisscontrol in
Zürich-Kloten leitet sie den Verkehr am Himmel in die richtigen
Bahnen.
Den Mittwoch, 2. Juni, wird Sabine Zimmermann nicht so rasch vergessen. Am
Abend dieses Mittwochs tobten Gewitter über der Schweiz. «Erst waren
es nur einzelne Zellen, und plötzlich hing es über der ganzen
Schweiz», erinnert sich Sabine Zimmermann. «Bei uns war die
Hölle los.» Wer zu diesem Zeitpunkt von ihr oder einem ihrer
Berufskollegen etwas wollte, blitzte ab: Der Himmel war verstopft. Flugzeuge
warteten etagenweise am Himmel. Sie waren förmlich blockiert; die meisten
konnten nicht landen, andere nicht durch das Unwetter aus der Schweiz
herausfliegen, während wieder andere am Boden gar nicht erst zum Start
freigegeben wurden. Selbst die Holdings waren stellenweise ein Ding der
Unmöglichkeit, Rhine Control im süddeutschen Raum nahm erst gar keine
Maschinen mehr an. Das Chaos drohte. Es war eine jener Situationen, auf die
Controller besonders sensibel sind. Die Verhinderung einer Kollision steht
über allem - eine Aufgabe, die die Leute im Aerea Control Center fast an
die Belastungsgrenzen führt, wenn die ganze Schweiz ein einziger
Gewitterherd ist. Eine Aufgabe aber auch, mit der die Controller während
der Ausbildung immer und immer wieder konfrontiert werden: Gegen Lehrende
werden sie stets dort eingesetzt, wo wetter- oder verkehrsbedingt viel Betrieb
herrscht. Sie sind an ihre Belastungsgrenzen herangeführt worden und haben
die Abläufe in Fleisch und Blut übernommen.
Dass eine solche Situation aber tatsächlich eintrifft, ist eher selten.
«Ach, Du hattest auch Dienst an jenem Mittwoch?» stellt man deshalb
häufig fest. Jeder Controller weiss, was das bedeutete. Jeder weiss, dass
an jenem Mittwoch niemand mehr auf der sonst üblichen Pause beharrte, dass
niemand mehr zwischendurch witzelte. Jeder fühlt noch heute die immense
Konzentration, die alle im ACC gefangen nahm und fast greifbar im Raum hing.
Sicherheit war das Ziel sämtlicher Aktionen: Die Flugzeuge wurden nur noch
etagenweise in verschiedenen Höhen und in gleicher Richtung geleitet, man
arbeitete gedanklich ohne Radar, um in jedem Fall auf der sicheren Seite zu
sein.
Und danach? «Nach einer solchen Situation kann man nicht einfach heim und
ins Bett gehen», erzählt Sabine Zimmermann. Die grosse Anspannung der
vergangenen Stunden lässt sich nicht einfach abschütteln. «Man
geht vielleicht noch etwas trinken miteinander und redet darüber»,
erklärt sie.
 |