
Beim Aufziehen
im Gebirge wird die starke Belastung der Flugzeugzelle deutlich: der
Flügel wird nach oben gebogen. |
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Kleine Ursache, grosse Wirkung; ein um 0,4
Millimeter zu schwacher Bolzen entschied über die Einsatzfähigkeit
einer ganzen Jägerflotte.
Nach 1500
Flugstunden auszuwechseln
Alle diese Bolzen sind bei der Montage der Tiger Flugzeuge in den Jahren 1978
bis 1981 eingebaut worden, ohne dass dabei irgendwelche Mängel zutage
traten. Damals dachte noch niemand daran, diesen Bauteil jemals auswechseln zu
müssen. Diese Bolzen blieben in der verschlossenen Rumpfschale völlig
unzugänglich. Der Anlass für die plötzliche Wichtigkeit jenes
Kleinteils kam in der Form einer Weisung aus den USA. Die Tiger der Luftwaffe
wurden seinerzeit im Rahmen eines sogenannten «Foreign Military
Sales» von der US Air Force, und nicht etwa von der Herstellerfirma
Northrop, gekauft. Wie es in solchen Fällen üblich ist, schuf die Air
Force eine Dienststelle mit der Bezeichnung TCG (Technical Coordination Group),
welche alle für die Flugsicherheit relevanten Informationen an die
jeweiligen Betreiber solcher Maschinen weiterleitet. Es könnte irgendwo
auf der Erde bereits einen ähnlichen Zwischenfall durch diesen acht cm
langen und ca. 75 Franken teuren Kleinteil gegeben haben. Auf jeden Fall stufte
die TCG jenen Bolzen zu einem «Teil mit kritischer
Ermüdungsgefährdung» (Fatigue-Critical Item) ein und schrieb
vor, diese nach 1500 Flugstunden auszuwechseln. In der SF wurde daher die
Arbeitsliste für die 1500-Stunden Revision am Tiger um diesen Punkt
bereichert. Um diesen Bolzen überhaupt wechseln zu können, schnitt
man kurzerhand ein ca. zehn Zentimeter grosses Handloch in den Rumpf. Nach dem
Austausch des Teils wurde diese Öffnung mit einem Deckel wieder
verschlossen.
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Es war Mitte November 1998, als einem
Mechaniker der SF (Schweizerische Unternehmung für Systeme und Flugzeuge)
in Emmen das Malheur passierte. Beim Anziehen eines Bolzens, welcher den
vorderen Rumpfteil des F-5E «Tiger» Jagdflugzeuges mit dem
Mittelrumpf verbindet, brach das Gewinde aus. Was in einer normalen Werkstatt
vermutlich nur einen Fluch und den raschen Griff zu einem neuen Bolzen
ausgelöst hätte, war im Flugzeugwerk ein Grund für intensive
Abklärungen. Zunächst ging der betroffene Facharbeiter davon aus,
dass ihm ein Fehler unterlaufen war. Bald musste er jedoch feststellen, dass
das Gewinde mit dem exakt vorgeschriebenen Drehmoment angezogen worden war.
Auch sein Werkzeug hatte einwandfrei gearbeitet. Der Schluss drängte sich
auf, dass der Bolzen nicht die Festigkeit besass, die ihm zugemessen war.
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Die Schweizerische Unternehmung für
Flugzeuge und Systeme AG, abgekürzt SF, ist ein Unternehmen der Luft- und
Raumfahrt mit Hauptsitz in Emmen und Werken an mehreren Standorten in der
Schweiz.
Infos |
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